Ja, Nein, Vielleicht: eine Wunschliste für Paare, die fair bleibt
Die Idee ist alt und einfach: Beide gehen dieselbe Liste von Themen durch und kreuzen Ja, Nein oder Vielleicht an. Danach redet man über das, was beide angekreuzt haben. Ob das hilft oder verletzt, hängt an ein paar Regeln.
Was eine solche Liste leisten kann
- Sie gibt Worte. Viele Wünsche sind schwer zu formulieren. Eine fertige Formulierung zum Ankreuzen nimmt diese Hürde.
- Sie macht beide gleich. Beide beantworten dieselben Fragen, keiner muss den Anfang machen.
- Sie zeigt Gemeinsamkeiten. Oft überschneiden sich Wünsche stärker, als beide gedacht hätten.
Das Problem der offenen Liste
Bei der klassischen Variante auf Papier legen beide ihre Listen nebeneinander. Dann sieht jeder auch die Wünsche des anderen, die man selbst nicht teilt. Das kann unangenehm werden: Wer ein Ja sieht, bei dem er selbst Nein angekreuzt hat, fühlt sich unter Druck gesetzt, und wer sein Ja neben einem Nein sieht, fühlt sich zurückgewiesen. Aus diesem Grund kreuzen viele vorsichtiger an, als sie es eigentlich meinen, und die Liste verliert ihren Sinn.
Drei Regeln, damit es fair bleibt
- Nur Überschneidungen zeigen. Beide sehen die Themen, bei denen beide Ja oder Vielleicht gewählt haben. Ein Ja, das der andere nicht teilt, wird nicht angezeigt. Ganz verborgen bleibt ein Nein trotzdem nicht: Wer selbst Ja oder Vielleicht gewählt hat und das Thema im Ergebnis vermisst, kann auf das Nein des anderen schließen. Gut ist, das vorher offen zu sagen.
- Vielleicht ernst nehmen. Vielleicht heißt „Ich bin offen, darüber zu reden“, nicht „Ich mache es“. Aus einem Treffer folgt ein Gespräch, keine Verpflichtung.
- Nein jederzeit. Auch nach einem Treffer darf jeder seine Meinung ändern, ohne Begründung. Ein Ja auf einer Liste ist keine Zusage für später.
Wie man nach dem Abgleich weitermacht
Die Liste ist erst der Anfang. Für das Gespräch danach helfen drei Fragen je Thema: Was gefällt dir daran? Was bräuchtest du, damit es sich gut anfühlt? Was wäre ein kleiner erster Schritt? Nehmt euch ein oder zwei Themen vor, nicht die ganze Liste. Was heute nicht passt, kann beim nächsten Mal dran sein.
Papier, App oder „So mag ich’s“?
Auf Papier ist die erste Regel kaum einzuhalten: Irgendwer muss beide Listen sehen, um die Überschneidung zu finden. Manche Apps lösen das, indem sie die Antworten beider Partner auf ihrem Server vergleichen; dann liegt die Liste dort. „So mag ich’s“ vergleicht die Antworten verschlüsselt in euren Browsern, über drei Links, die ihr euch selbst schickt. Unser Server sieht keine Antworten; euer Gegenüber sieht ein Ja nur, wenn es selbst Ja oder Vielleicht gewählt hat. Wie das technisch geht und wo die Grenzen liegen, steht auf der Seite Technik.
Das Gratis-Set hat 20 Karten zu Nähe, Zärtlichkeit, Worten und kleinen neuen Ideen. Die Vollversion hat 60 weitere Karten mit Gesprächsfrage und kleinem nächsten Schritt, für 19 € inkl. 19 % MwSt. einmalig je Paar.
Grenzen einer Liste
Eine Liste ersetzt kein Gespräch und keine Beratung. Wenn einer sich gedrängt fühlt, ist das Gespräch wichtiger als jedes Ergebnis. Bei Gewalt oder in einer Krise findet ihr kostenlos und vertraulich Hilfe: Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen 116 016, Hilfetelefon Gewalt an Männern 0800 1239900, TelefonSeelsorge 0800 111 0 111.
Weiterlesen: Über Wünsche in der Beziehung sprechen: 8 Fragen für den Anfang